Bibel-Info Herbst 2006
Editorial

Gott gebot dem Licht aus der Finsternis hervorzuleuchten.
2. Kor. 4,6
Post Tenebras Lux
Dies war die Devise des durch die Reformatoren inspirierten Genfs, zu
der Zeit, als man Johannes Calvin, der in Richtung Straßburg unterwegs
war, überredete, in der Stadt zu bleiben. So geschehen im Jahre 1536
(s. Artikel in dieser Ausgabe).
Dieselbe Devise Post Tenebras Lux («Nach der Dunkelheit das Licht»)
wurde auch von der Genfer Bibelgesellschaft aufgegriffen. Sie ist auf
jeder unserer Bibeln abgedruckt.
Es ist Zufall, aber doch sehr treffend, dass in dieser Ausgabe von Bibel-Info
je ein Artikel über Johannes Calvin und einer über den sehr
calvinistischen Bibellehrer John MacArthur sowie ein Beitrag über
dessen Studienbibel zu finden ist. Die französische Version dieser
Studienbibel wird in Kürze erscheinen und soll am 26. September 2006
um 19:30 Uhr in der Kathedrale Calvins im Rahmen einer öffentlichen
Veranstaltung vorgestellt und eingeführt werden.
Hört, ihr Himmel, und horche auf, o Erde; denn der HERR hat
gesprochen.
Jes. 1,2
Johannes Calvin ermutigte in dem Vorwort zu der von seinem Cousin Olivétan
im Jahre 1535 übersetzten Bibel (eine Version, die heute noch einige
treue Leser zählt!) jeden, «dem Reich Christi unterstellte
Kaiser, Könige, Prinzen und Völker», unabhängig von
dessen gesellschaftlicher Stellung, das Wort Gottes zu lesen:
Alles was ich fordere ist, dass es dem treuen Volk gestattet sei,
dem Reden seines Gottes zuzuhören und sich von ihm unterweisen zu
lassen. Möchte er nicht von allen gekannt sein, von den Größten
wie den Kleinsten? Verspricht er nicht, dass alle von Gott unterwiesen
werden?... Gebietet er nicht, das Evangelium den Armen zu verkünden?...
Unsere Widersacher raunen und empören sich. Was soll das anderes
bedeuten, als dass sie Gott seine Großzügigkeit vorwerfen?
Oh! wenn sie in der Zeit gelebt hätten, wo die sechs Töchter
des Philippus weissagten, wie schwerlich hätten sie das ertragen,
wenn sie sie nicht sogar maltraitiert hätten.
Und Calvin fährt fort, jene scharf zu verurteilen, die die Verbreitung
der Bibel aufhalten wollten.
Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten,
er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet
werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.
2 Kor. 4,6
Der Aufforderung Calvins folgend, sind mehrere Projekte in Vorbereitung,
um die Studienbibel von John MacArthur, insbesondere in Afrika, weit zu
verbreiten. Mithilfe von Missionsgesellschaften, die auf diesem Kontinent
arbeiten, wird sie vielen Christen in Afrika, aber auch Europa zukommen,
damit deren Herzen von der Erkenntnis Jesu Christi überfließen,
jener tiefen Erkenntnis, die Gnade und Frieden bringt (2. Pet. 1,2).
Calvin war nach Genf gekommen, weil sein Leben in Paris bedroht war.
Auch wenn die Christen in Paris seit langem nicht mehr verfolgt werden,
kann man dennoch nicht davon sprechen, dass diese Stadt dem Evangelium
gegenüber aufgeschlossen ist. Doch die Gute Nachricht wird immer
noch verkündigt, jede Woche an über 120 Büchertischen in
den Straßen und auf den Märkten der Region. Im kommenden Herbst
werden, wie in jedem Jahr, viele Pariser Gemeinden auf der Place de la
Bastille die Bibel von 1. Mose bis zur Offenbarung innerhalb von drei
Tagen öffentlich vorlesen. Fast 500 Jahre nach den Anfängen
der Reformation ist die Stadt dem Evangelium gegenüber nach wie vor
feindlich gesinnt, doch das Wort Gottes wird weiterhin verkündigt.
Denn «Gott, unser Retter, will, dass alle Menschen gerettet werden
und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen» (1. Tim. 2,3).
Jean Pierre Bezin
Nachruf
Jean-Louis Steudler
Am 8. Mai 2006 hat der Herr Jean-Louis Steudler in seinem 87. Lebensjahr
zu sich gerufen. Geboren in Le Locle als Sohn einer Familie der Action
Biblique, wurde er Lehrer bevor er als Teilnehmer des 20. Jahrgangs eine
Ausbildung an der Bibelschule EBG/IBG1 begann. Er war der erste Missionar
aus der Jugend der Action Biblique als er 1945 zunächst nach Kairo
und später nach Zentralafrika ging. Nach einem langen und fruchtbaren
Dienst, kehrte die Familie 1976 wieder in die Schweiz zurück. Einige
Jahre lang arbeitete Jean-Louis als Pastor in der Gegend von Montbéliard
in Ostfrankreich. Als Ruheständler siedelte er sich mit seiner Frau
in Neuenburg an. Hier verstarb seine Frau Colette nach langer Krankheit.
Danach stellte sich Jean-Louis für einen Dienst in der Gemeinde der
Action Biblique in Paris zur Verfügung. 1995 heiratete er Chantal
Vilain und die beiden wohnten zunächst in der Nähe von Lausanne,
später in Besançon. Viele Jahre lang arbeiteten sie im Haus
der Bibel im Lektorat mit: Korrekturlesen von Manuskripten, Mitarbeit
bei diversen Projekten sowie bei der Herausgabe der Scofield Bibel. Darüber
hinaus haben Sie viele Bücher für das Lesekomitee analysiert.
Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt Chantal und den Kindern.
Hanni Tarsis-Sawynich
Am 5. April 2006 hat der Herr Hanni Tarsis- Sawynich zu sich geholt,
nachdem sie geduldig die Monate ihrer Krankheit ertragen hatte.
Viele Jahre lang leistete sie als begabte Übersetzerin einen wertvollen
Beitrag im Werk der Genfer Bibelgesellschaft – insbesondere übersetzte
sie Bibel-Info in seiner Gesamtheit, wofür wir sehr dankbar sind.
Ebenso war sie lange federführend an der Redaktion der Zeitschrift
AB unterwegs beteiligt.
Der tiefe Friede, den sie in den schwersten Momenten ihrer Krankheitszeit
ausstrahlte, ist beispielhaft. Sie wusste sich in den Händen des
Herrn, was sie ermutigte und dankbar machte. Als die Ärzte ihr eröffneten,
ihr nicht mehr helfen zu können, suchte sie das Gespräch mit
einem Seelsorger. Dieser riet ihr, kein Wunder zu erwarten, sondern sich
auf das irdische Ende vorzubereiten. In den letzten Wochen, in denen sie
von ihrem Mann versorgt wurde, prägte sie dieser tiefe innere Friede
und sie ging, ebenso von Frieden erfüllt, in ihre himmlische Heimat.
Wir wünschen ihrem Mann Sergej und ihrem Sohn Pawel den tiefen Trost
unseres Herrn.
Die Mauer der Reformatoren in Genf (7)
Johannes Calvin (1509-1564)
Am 10. Juli 1509 erblickt Johannes Calvin als Sohn einer wohlhabenden
Familie in der nordfranzösischen Provinz Picardie das Licht der Welt.
Später soll er der große, unter dem Namen Calvin bekannte Reformator
werden und der Stadt Genf den Beinamen «die Stadt Calvins»
verleihen.
Er genießt eine gute Ausbildung und beginnt anschließend
das Studium der Theologie in Paris, wo auch sein Interesse an der Philosophie
geweckt wird. Später kommt er zum Predigen in seine Geburtsstadt
Noyon, wo ihn sein Vater jedoch dazu drängt, mit dem Jura-Studium
fortzufahren. Von seinen Mitstudenten und Professoren wird er stets für
sein Talent bewundert.
Sein Vater, der exkommuniziert worden war, stirbt im Jahr 1531. Im Anschluss
bricht Calvin nach Paris auf und schreibt dort seinen Kommentar über
das Buch von der Gnade von Seneca. Er beschließt, sich ganz seinem
Gott hinzugeben. Im College Montaigu schließt er Freundschaft mit
mehreren Anhängern der Reformation. Eines Tages, der genaue Zeitpunkt
ist unbekannt, berührt ihn die Wahrheit des Evangeliums und des Heils
aus Gnade und er verwirft die Lehren der römisch-katholischen Kirche.
In der Folge eines Aufruhrs, der durch eine Predigt seines Freundes Nicolas
Kop ausgelöst worden war, muss dieser nach Basel fliehen. Auch Calvin
wird bedroht und sucht Zuflucht in Saintonge in Westfrankreich bei einem
jungen, reichen Mann. Dieser bittet Calvin, einige Predigten zu verfassen,
die von dem örtlichen Pfarrer vorgelesen werden sollen, um dem Volk
die wahre und reine Kenntnis seines Heils in Christus zu zeigen.
Da Calvin von der Obrigkeit gesucht wird, beschließt er, Frankreich
zu verlassen und wird dabei von seinem Freund aus Saintonge begleitet.
Unterwegs stiehlt einer ihrer beiden Diener all ihr Geld und ein Pferd.
Völlig mittellos erreichen sie Basel. Calvin beginnt die Niederschrift
der gesamten reformatorischen Glaubenslehre in seinem Buch vom christlichen
Unterricht, mit der Absicht, den französischen König Franz I.
von seiner Lehre zu überzeugen. Dieser wird von Calvins Vorhaben
jedoch nichts erfahren. Von Basel aus reist Calvin nach Italien, kehrt
anschließend wieder nach Basel zurück, von wo aus er nach Paris
abreist, um dort verschiedene Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Er
möchte jedoch zuvor nach Straßburg und muss daher Umwege in
Kauf nehmen, die ihn schließlich nach… Genf führen.
Dank der Diener Gottes Wilhelm Farel und Pierre Viret, hat diese Stadt
seit kurzem ihre Tore dem Evangelium geöffnet. Farel und Viret drängen
Calvin dazu, in Genf zu bleiben, um Theologie zu unterrichten, wozu dieser
nach einigem Zögern zustimmt. Er wird unter anderem von den Wiedertäufern
und von Verleumdungen durch einen Abtrünnigen, nämlich den aus
Paris stammenden Lehrer Pierre Caroli, bekämpft. Doch all diese Angriffe
stärken letztlich nur seinen Glauben. Ein Jahr später brechen
Unruhen in der Stadt aus. Die Mehrheit im Stadtrat steht nicht mehr auf
der Seite der Gerechtigkeit und räumt den Dienern des Evangeliums
eine dreitägige Frist ein, um die Stadt zu verlassen. Der Grund dafür
ist deren Weigerung, bestimmte Personen am Abendmahl teilnehmen zu lassen.
Es stimmt, dass Calvin sich gegen die Praxis stellt, solche beim Abendmahl
teilnehmen zu lassen, von denen man nicht weiß, ob sie den Götzendienst
und «päpstlichen Aberglaube» aufgegeben haben.
Kurz nach Ostern des Jahres 1538 wird Calvin in Straßburg empfangen,
wo er eine Gemeinde gründet, in welcher er auch die Kirchenzucht
etabliert. Außerdem unterrichtet er Theologie. Im darauf folgenden
Jahr vervollständigt er sein Buch vom christlichen Unterricht und
schreibt seinen Kommentar zum Römerbrief sowie die Broschüre
Das Mahl des Herrn.
Am 13. September 1541 kommt er wieder nach Genf zurück. Seine Feinde
sind verschwunden, die Stadt hat ihn zurückgerufen und Straßburg
hat ihn mit Bedauern ziehen lassen.
Als er wieder die Kanzel in der vollbesetzten Kathedrale Saint-Pierre
besteigt, beschuldigt er niemanden, sondern fährt mit seiner Bibelauslegung
dort fort, wo er zuvor unterbrechen musste. Sich über Vergangenes
auszulassen ist in seinen Augen falsch. Er hält es stattdessen für
richtig, nach vorne zu schreiten, zu predigen und die Gemeinde auf Gottes
Wort zu gründen. Viret hilft ihm zwei Jahre lang und Farel wird ihm
für vier Wochen von Neuenburg aus zur Unterstützung gesandt.
Diese drei Freunde bilden den berühmten «Dreifuß»,
der bereits im vorhergehenden Artikel Erwähnung fand.
Eine Veränderung der Gesellschaft zeichnet sich ab, deren Basis die
Familie nach dem Wort ist. Calvin, den man heute häufig als streng
und tyrannisch beschreibt, war jedoch ein fröhlicher und sanfter
Mensch. Er ist der Erste seiner Zeit, der die Sexualität ehrlich
darstellt. In seinem Kommentar über den Pentateuch schreibt er, dass
Gott den Menschen als Frau und Mann geschaffen hat, was in seinen Augen
heißt, dass Mann und Frau gleichwertig sind. Die Ehe ist ein notwendiges
Mittel, das der Sexualität seine ursprüngliche Reinheit wiedergibt.
Seine Überzeugungen zu den Rechten der Frau sind revolutionär,
ebenso auch seine Gedanken zur Kindererziehung. Jedes Kind hat, seiner
Auffassung nach, das Recht auf Kultur. Im College, das die Räumlichkeiten
des leerstehenden Klosters de Rive bezogen hat, wird Latein, Griechisch,
Französisch, ein wenig Hebräisch, Literatur und Musik unterrichtet
und es stellt das fortschrittlichste Schulsystem seiner Zeit dar. Später
zieht das College nach Saint-Antoine um und in der Person von Théodore
de Bèze wird ein hervorragender Rektor gefunden. Die Schule hat
weite Auswirkungen. In Nîmes, Heidelberg und Basel lässt man
sich von den Methoden inspirieren. Die Lehrer sind hoch angesehen und
die Schüler kommen von überall her. Im Jahr 1566 besuchen etwa
2000 Schüler das College. Hier bildet Genf seine Pastoren, Stadträte
und Bürger aus.
Calvin wendet auch im sozialen Bereich die biblischen Grundsätze
an, vor allem indem er das allgemeine Krankenhaus gründet, wo jeder
behandelt wird. Er ist ein großes Beispiel für gelebte Nächstenliebe.
Des Weiteren unternimmt er viele Anstrengungen, um gute und harmonische
Beziehungen zwischen dem Politischen und Geistlichen zu schaffen, jedoch
ist dies häufig Anlass für Spannungen.
Während seines Dienstes entkommt Calvin einem Komplott, der von einigen
Geschäftsleuten angestiftet wird. Diese wollten nicht akzeptieren,
aufgrund ihres ausschweifenden Lebens vom Abendmahl ausgeschlossen zu
sein. Außerdem ist er im beständigen Kampf gegen schädliche
Widersacher, wie etwa Michel Servet, Jérôme Bolsec oder François
Baldouin.
Erschöpft von der Arbeit und durch seine massiv angegriffene Gesundheit,
muss Calvin das Bett hüten, verfasst aber weiterhin Schriften und
ist um seine Gemeinde bemüht.
Am 25. April 1564 schreibt er sein Testament, empfängt am nächsten
Tag seine Freunde und assistiert kurz darauf bei der Nominierung seines
Nachfolgers. Am 24. Mai stirbt Calvin.
Sein literarischer Nachlass ist groß. Alleine 4200 Briefe entstammen
aus seiner Feder. Calvin hat einen großen Beitrag zum über
die Landesgrenzen hinaus bekannten, guten Ruf Genfs geleistet und Théodore
de Bèze bemerkt: «Das größte Licht, das in dieser
Welt die Kirche leitete, ist in den Himmel aufgenommen worden.»
Calvin hat die weitere Entwicklung der Reformation und deren Ausbreitung
in Europa durch Handelsleute nicht miterlebt, doch er hat in erheblichem
Ausmaße zu ihrer Verbreitung beigetragen.
René Neuenschwander
John MacArthur

vorgestellt von Florent Varak
Anlässlich der Herausgabe der John MacArthur Studienbibel auf Französisch
in diesem Herbst, möchten wir unseren Lesern gerne den Autor der
Kommentare vorstellen. Im Folgenden finden Sie ein Interview mit Florent
Varak, dem Pastor einer evangelikalen Gemeinde in der Nähe von Lyon,
der mehrmals die Gelegenheit hatte, John Mac- Arthur zu treffen, und dem
die Übersetzung dieser Studienbibel auf dem Herzen lag.
Florent Varak, Sie hatten bereits die Gelegenheit, John MacArthur persönlich
kennen zu lernen. Könnten Sie uns an einer Anekdote teilhaben lassen,
einem markanten Erlebnis während einer Begegnung mit MacArthur?
Da fällt mir der 31. Oktober 1999 ein. Im Konferenzraum der Bibelschule
IBG in Genf wartete ich auf John MacArthur, der vor den etwa 600 Teilnehmern
sprechen sollte. Ich hatte ein wenig Lampenfieber, denn ich sollte MacArthur
übersetzen und hatte gehört, dass er sehr lebhaft sei. Ausserdem
ist er eine imponierende Persönlichkeit.
Er kam und wir saßen zunächst zusammen an einem Tisch. Er war
bedächtig, aufmerksam, freundlich, und passte gar nicht in das Bild
des «Professionellen», das ich mir von ihm gemacht hatte.
Plötzlich geschah etwas Überraschendes. Er drehte sich zu mir
um und fragte: «Florent, was rätst Du mir, über das ich
heute predigen soll?» Beunruhigt fragte ich mich: «Hat er
sich etwa schlecht vorbereitet? Stellt er auswärts andere Anforderungen
an sich, als in seiner eigenen Gemeinde?...» Schließlich beschloss
er, über 2. Korinther 5 zu predigen und wir gingen zum Konferenzsaal.
Nicht, dass ich es im Nachhinein bedauerte vor meinen Studenten so viel
Werbung gemacht zu haben, aber ich war in der Tat etwas perplex!
Selbstverständlich waren meine Bedenken unbegründet. Die Schrift
wurde kräftig, klar, überzeugend und einfach ausgelegt. Eine
Woche lang predigte MacArthur mehrere Stunden pro Tag und hatte dabei
als einzige Notiz eine Übersicht von der Länge einer halben
Seite. Ihm wurde keine Frage erspart: Ethik, Theologie, Bibelkunde...
Seine spontanen, biblisch fundierten Antworten zeigten den Reichtum seines
Wandels mit dem Wort.
Könnten Sie uns ein wenig aus seinem Leben berichten?
John MacArhur wurde im Juni 1939 geboren. 1963 heiratete er Patricia.
Die beiden haben 2 Söhne und 2 Töchter, die alle mittlerweile
verheiratet und in der Gemeinde engagiert sind. Im Jahr 1961 hat MacArthur
sein Theologiestudium abgeschlossen und erhielt 1976 und 1977 jeweils
einen Ehrendoktortitel.
Seit 1969 ist er Pastor der Grace Community Church und leitet seit 1986
ausserdem das Master’s Seminary in Kalifornien. Er hat fast 250
Bücher, Artikel und Bibel-Studierhilfen verfasst, von denen mehrere
Bestseller sind. Die Organisation Grace to you verbreitet seine Predigten
über das Radio in die englisch- und spanischsprachige Welt.
Sein oberstes Ziel ist es, Gott durch seinen Dienst zu verherrlichen.
Seine einzige Motivation ist der Wunsch, sein Schriftverständnis
zu vertiefen, während er dem Herrn die Wirkung seines Lehrens überlässt.
Dabei wird der Einfluss seines Dienstes durch die Anzahl und Qualität
seiner Mitarbeiter gefördert. Diese übernehmen, nachdem sie
einige Jahre an seiner Seite gelernt haben, Aufgaben in verschiedenen
Gemeinden auf der ganzen Welt.
Die JohnMacArthur Studienbibel wird zweifellos die schönste Spur
sein, die ein dem Lehren des Wortes gewidmetes Leben hinterlässt.
Sie haben ein Jahr lang in den USA gelebt und in dieser Zeit die Gemeinde
von John MacArthur besucht. Was durften Sie aus dieser Zeit mitnehmen?
In diesem Jahr, in dem ich das Vorrecht hatte, seinen Dienst zu beobachten,
haben mich vor allem vier seiner Eigenschaften beeindruckt:
Seine Leidenschaft: er ging alles mit Begeisterung an. Ein Golfturnier,
eine Bibel stunde, ein Ältestentreffen, eine Schulung in Russland...
Seine Liebe zum Herrn ist mitreißend. Und er schart Freunde um sich,
die diese Begeisterung teilen, auch wenn sie nicht in jedem Punkt die
gleiche theologische Auffassung haben (wie etwa Dr. Sproul oder Mahoney).
Sein Mut: er opferte nie die Wahrheit für einen Kompromiss. Seine
Predigten ließen selten gleichgültig. Er zögerte nie,
die Schrift zu lehren und sich gegen charismatische Übertreibungen,
gegen ökumenische Verwässerung oder gegen das Pastorenamt für
Frauen, zu stellen.
Seine unterwürfige Haltung: nachdem ihm vorgeworfen worden war, in
einer Predigt eine falsche Ansicht dargelegt zu haben, nahm er sich die
Zeit, die Schrift zu untersuchen und sich zu hinterfragen, bevor er öffentlich
zurücknahm, an was er vorher festgehalten hatte.
Sein Mitgefühl: eine Reihe von Diensten an Behinderten und Benachteiligten
sind von seiner Gemeinde aus ins Leben gerufen worden. Seine Einstellungen
hielten ihn nie davon ab, Freundschaften mit solchen zu knüpfen,
deren Orientierungen er ablehnt. In einer Fernsehsendung äußerte
er sich gegen die Heirat von Gleichgeschlechtlichen, brachte seinem Gesprächspartner
dabei eine solche Liebe entgegen, dass dieser im Anschluss den Wunsch
äußerte, in seine Gemeinde zu kommen.
Vielen Dank Florent, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen
zu beantworten!
Warum die Bibel mit Kommentaren von John MacArthur auf Französisch?
Bis zur Herausgabe der Scofield-Bibel im Jahr 1975, stand den französischsprachigen
Lesern keine Studienbibel zur Verfügung. Heute haben diese möglicherweise
den Eindruck, von einer Flut derartiger Werke überrollt zu werden,
ohne jedoch zu wissen, was die einzelnen Studienbibeln eigentlich voneinander
unterscheidet.
Was ist von der MacArthur Studienbibel zu erwarten?
- Es handelt sich bei diesem Werk um eine Bibel mit einer quasi systematischen
Vers-für-Vers Auslegung (fast 16 000 Anmerkungen dieser Art, die
diese zur umfangreichsten der heute zur Verfügung stehenden französischen
Studienbibeln macht). Im Unterschied dazu sind die Scofield und die Thompson
Studienbibel eher durch ihre Verweissysteme wertvolle Studienhilfen.
- Die Kommentare sind theologischer Art, was diese Studienbibel von der französischen
Nouvelle Bible Segond unterscheidet, deren Kommentare eher textueller und
historischer Art sind.
- Die MacArthur Bibel bezieht Stellung zu theologischen Streitfragen, was
sie von der französischen Studienbibel Vie Nouvelle unterscheidet,
deren Ziel es ist, die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten zu
zeigen und eine praktische Anwendung vorzuschlagen.
Die Studienbibel, deren Konzeption der MacArthur Bibel am nächsten
kommt, ist wohl die französische Bible du Semeur. Hier findet man
quasi systematische Kommentare mit einer Auseinandersetzung über
den ursprünglichen Sinn, mit Informationen über den historischen,
archäologischen und geographischen Hintergrund, sowie Erläuterungen
zur Lehre, wobei die Autorität und die göttliche Inspiration
anerkannt werden. Ausserdem enthält sie ebenfalls einen thematischen
Index.
Zurück zur ursprünglichen Frage: «Warum die Herausgabe
dieser Studienbibel?» Die Antwort ist, dass sich John MacArthurs
Auslegungen von denen der französischen Semeur-Studienbibel unterscheiden,
insbesondere aufgrund seiner calvinistischen und prämillennialistischen
Überzeugungen. Folglich ist ein Vergleich zwischen den Kommentaren
sehr interessant, denn er hilft, besser zu beurteilen, was die beiden
evangelikalen Hauptströmungen unterscheidet, oder im Gegenteil, was
sie vereint. Die Genfer Bibelgesellschaft hofft, dass die Herausgabe dieser
Bibel zum persönlichen Bibelstudium anregen und zum Wachstum der
Gemeinde Jesu beitragen wird.
Viviane André
Ein Berater mit vielfältigen Aufgaben

Kurzporträt Ehrenamtliche
Meine ersten Kontakte mit der Genfer Bibelgesellschaft reichen ins Jahr
2000 zurück! Ich hatte meine Mithilfe im Haus der Bibel in Basel
angeboten, sollten die Umstände dies erfordern. Die Mitarbeit, die
sich daraus ergeben hat, kommt für mich einer wahrhaft ununterbrochenen
Weiterbildung gleich, und ich hoffe, dadurch der Buchhandlung eine Hilfe
zu sein. Ich konnte mich mit den verschiedenen Etappen vertraut machen,
die ein Buch von seiner Entstehung bis zum Verkauf an den Leser durchläuft:
Druckerei, Großhändler, Buchhandlung. Ich konnte an der Renovierung
und der Vergrößerung des Ladens teilnehmen. Schließlich
hat sich meine Funktion als Berater herauskristallisiert. Ich bemühe
mich, die für diese Rolle notwendigen Eigenschaften zu entwickeln:
Zuhören, ein wenig Rat geben, gerne die Bibel lesen und den Wunsch
haben, sie bekannt zu machen, Durchhalten in Schwierigkeiten. Wie oft
wurde die Frage nach dem Weitermachen oder Schließen des Buchladens
diskutiert. Doch letztlich hatte ich die Freude, das 40-jährige Jubiläum
des HdB Basel mitfeiern zu dürfen: eine große Leistung angesichts
einer schnelllebigen Gesellschaft, wo Boutiquen entsprechend der Mode
öffnen und schließen. Aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit!
Es ist unsere Verantwortung, alles daran zu setzen, damit das Zeugnis
unseres Herrn in unseren Städten präsent bleibt. Der Herr wirkt;
er stärkt etwa meinen Glauben, indem er in besonderen Situationen
eingreift, wie bei der Erneuerung eines Mietvertrages.
Für mich ist es weiterhin bedeutsam, in einem Werk mitarbeiten zu
dürfen, das neue Bibelübersetzungen herausgibt, die nicht nur
als Werkzeug des persönlichen Bibelstudiums dienen, sondern vor allem,
um das Wort Gottes für die Menschen des 21. Jahrhunderts zugänglich
zu machen, ohne dabei den Inhalt zu verfälschen. Die Bibel meiner
Kindheit ist für die Generation meiner Kinder nicht mehr verständlich,
und ich bin mir der Tatsache bewußt, dass diese Entwicklung sich
mit zunehmender Geschwindigkeit fortsetzen wird!
Weitere erfreuliche Aspekte dieses Dienstes sind das wöchentliche
Gebetstreffen, der Austausch mit einem Freundeskreis und mit den Verantwortlichen
des Buchladens, das Zuhören sowie die Möglichkeiten des Austauschs
zwischen verschiedenen Gemeinden. Ich wurde angeregt, meine Kenntnisse
zu praktischen Themen im Zusammenhang mit christlichem Dienst zu erweitern,
darüber nachzudenken und diese für mich zu erarbeiten. Ich denke
an das Ehrenamt oder auch an die Angst vor Veränderungen und vor
Neuem. Ich wurde außerdem angeregt, Missionskurse zu besuchen, nicht
im Hinblick auf einen Einsatz im Ausland, sondern um diejenigen besser
zu verstehen, die in einem christlichen Werk arbeiten, um ihre Sorgen
und Belastungen besser zu verstehen oder auch ihre gelegentliche Einsamkeit.
Aus demselben Grund besuche ich auch Grundkurse, um mich in Seelsorge
ausbilden zu lassen.
Die Mitarbeit im Haus der Bibel ist eine ständige Bereicherung für
mich. Ich konnte bereits mehrmals an den jährlich stattfindenden
Treffen teilnehmen und dabei eine neue Familie entdecken, in deren Mitte
ich mich einbringen kann, um deren Entwicklung, deren Zusammenhalt und
gesundes Funktionieren zu fördern, und in welcher jedes Mitglied
dazu berufen ist, dort treu zu sein, wo der Herr es hingestellt hat.
Michel Horisberger
Das Haus der Bibel in Madagaskar

Bald ein Jahr…
Ende November 2005 wurde das Haus der Bibel in Madagaskar eröffnet.
Françoise Rakotondrafara, deren Zeugnis wir in Bibel-Info Nr. 4/2003
veröffentlichten, begann zwei Wochen nach der Eröffnung ihre
Mitarbeit als Ehrenamtliche. Hier ihr Bericht:
«Da ich arbeitslos war, bin ich dem Herrn dankbar, dass er mir
die Möglichkeit geschenkt hat, ihm im Haus der Bibel zu dienen. Das
HdB von Madagaskar liegt in der Hauptstadt Antananarivo, am Rande des
Stadtzentrums. Am Anfang hatte mancher Kunde Schwierigkeiten, das HdB
zu finden, aber wir haben in verschiedenen Gemeinden Stände aufgestellt,
im Radio und Fernsehen Werbung gemacht, und dies hat zu einer höheren
Frequentierung geführt…
Trotz der schwachen Kaufkraft, investieren die Menschen in Bücher
Unter unseren Kunden sind Pastoren und Leiter von christlichen Werken,
die sich bei uns mit Bibeln und christlicher Literatur eindecken. In unserem
Sortiment führen wir Ware sowohl für Kinder wie auch für
Erwachsene. Da ich eine Ausbildung am IBG in Genf absolviert habe, bin
ich in der Lage, die Kunden entsprechend ihrer Bedürfnisse zu beraten:
Theologische Werke, Zeugnisse oder auferbauende Literatur.
Trotz der geringen Kaufkraft der Madagassen kommen viele Kunden und kaufen
Bücher, wobei sie sich die interessantesten, wie Studienbibeln, nicht
leisten können. Ich habe festgestellt, dass vor allem die Nachfrage
nach Bibeln und Literatur in der Landessprache Malgasy groß ist,
wenngleich auch viele französische Literatur suchen. Häufig
werden wir nach verschiedensten englischen Bibelversionen gefragt, wobei
das HdB noch nicht gut mit derartigen Werken ausgestattet ist. Wir hoffen,
unseren Bestand bald besser mit Literatur in den folgenden drei Sprachen
ausstatten zu können: Malgasy, Französisch und Englisch.
In Madagaskar kann noch sehr offen evangelisiert werden
Im Rahmen von besonderen Aktionen ist es sogar schon vorgekommen, dass
nach Bibeln in Deutsch und Spanisch gefragt wurde. Dies haben wir vor
allem in einer Woche im März/April festgestellt, als eine große
Messe stattfand. Für die Bevölkerung war es eine Premiere, einen
Bibel-Stand auf einer Messe zu sehen! Gleichzeitig haben wir an alle,
die an den Stand kamen, evangelistische Traktate verteilt. In Madagaskar
kann noch sehr offen evangelisiert werden, wofür wir sehr dankbar
sind. Da vier Messen pro Jahr in der Hauptstadt stattfinden, hat sich
das HdB vorgenommen, auf jeder dieser Messen präsent zu sein.
Es ermutigt mich immer sehr, wenn ich Menschen sehe, die eine Bibel oder
Bücher kaufen, denn, wie in jedem HdB, ist es auch unser Ziel, das
Wort Gottes und christliche Literatur zu verbreiten.
Das HdB hat drei Vollzeitbeschäftigte sowie einige ehrenamtliche
Mitarbeiter für besondere Aktionen. Eines unserer Ziele ist die Eröffnung
einer Bibliothek, die unter anderem als ein Zentrum der Begegnung dienen
soll. Darüber hinaus sind in zwei Provinzen der Insel Projekte zur
Verbreitung christlicher Literatur angelaufen. Da das HdB nur einen alten
Computer besitzt, ist es uns ein Anliegen, eine bessere EDV-Ausstattung
zu bekommen, was uns eine bessere Organisation ermöglichen würde.
Des Weiteren arbeiten wir mit den anderen, in Madagaskar ansässigen,
christlichen Organisationen zusammen, wie etwa der madagassischen Bibelgesellschaft,
dem Bibellesebund oder anderen christlichen Buchläden in der Hauptstadt.»
Françoise und Toky
Buchbesprechung
Absturz Richtung Himmel
Ein Schatten auf dem Röntgenbild… das ängstliche Warten
auf das Untersuchungsergebnis … die niederschmetternde Diagnose:
Krebs! Das Leben gerät ins Wanken. Und das ist erst der Anfang eines
langen, schrecklichen Kampfes gegen die Krankheit: viele Therapieversuche
und dabei der ungewisse Ausgang. Dies ist die Geschichte 28-jährigen
Norbert Ammon, kurz Nobby, die er in diesem ergreifenden, ehrlichen Bericht
schildert, in dem er bis in die Tiefen seiner Seele hineinschauen lässt.
Mein Gott, warum diese Krankheit?
Diese Fragen tauchen auf: «Warum lässt Gott das zu? Möchte
er, dass ich sterbe? Was nützt es mir, gläubig zu sein, wenn
es mir schlechter geht als den meisten Ungläubigen?... Und warum
gerade jetzt, wo ich doch versuche, Gott besser kennen zu lernen, wo ich
ihm mehr gehorche und wo meine Liebe zu ihm größer ist als
zuvor?»
In seiner Not ruft Nobby, wie David in 2. Samuel 22,7, seinen Gott an.
«Ich warf ihm meine Bitterkeit, meine Enttäuschung, meine Ängste,
meine Fragen und meine Zweifel vor die Füße. Während ich
klagte und weinte, wurde mir langsam bewusst, dass ich im Unrecht war,
nicht er. Gott ist mir gegenüber zu nichts verpflichtet. Ich hatte
mich vor sechs Jahren dazu entschieden, Jesus Christus das Kommando meines
Lebensschiffes zu übergeben.» Und dann betet er: «Herr,
auch wenn ich dich nicht verstehe und meine Gefühle mich in die Rebellion
treiben könnten, vertraue ich dir. Deine Wege sind vollkommen. Ich
glaube, dass meine Krankheit keine Strafe ist, sondern zu meiner Erziehung
dient.»
Bin ich bereit zu sterben?
Er erinnert sich an das, was Paulus sagte: «Denn das Leben ist
für mich Christus und das Sterben Gewinn» (Phil. 1,21) …
«Und wie sieht es in meinem Herzen aus? Wäre das Sterben für
mich ein Gewinn? Der Verstand antwortete: ‘Natürlich –
im Himmel ist es viel schöner als hier auf der Erde.’ Doch
mein Gefühl antwortete: ‘Ich würde viel lieber gesund
und zusammen mit meiner lieben Frau alt werden.’ Mein Respekt vor
dem Tod war noch immer zu groß. Aber… das scheinbar Schlimmste,
was mir passieren konnte, war eigentlich das Beste, was mir geschehen
konnte. Denn für mich als Christ ist Sterben nichts anderes als heimzugehen.
»
Um Heilung beten?
«Die engültige und umfassende Erlösung von Sünde
und Krankheit erfahren wir erst im Himmel (Röm 8,23). Für mich
war damit klar: Christen dürfen um Heilung bitten. Allerdings müssen
sie es der Souveränität Gottes überlassen, ob er sie erhört
… ich war sicher: Ein Gott, der von sich sagt, dass er die Liebe
ist, lässt seine Kinder nicht grundlos leiden.»
«Wie Gott zu seinem Ziel kommt, ist seine Sache. Entweder gibt er
mir die Kraft,… über ihn zu reden, ihm aktiv zu dienen …
oder er gibt mir Kraft zum Sterben, und zwar in der Haltung: ‘Ja,
Vater! Dein Wille geschehe!’ In jedem Fall würden andere sehen:
‘Gott lebt’. Und darum geht es. Das machte mich gelassen –
dass der Kampf seine Sache ist!»
Ja, es gibt einen Unterschied!
In dem Zeugnis von Nobby und Kerstin stößt man auf eine Reihe
von Problemen und Gedanken, die uns beschäftigen, wenn wir einer
schweren Krankheit begegnen. Indem er uns seinen Weg und seinen festen
Glauben schildert, ermutigt uns Nobby geistlich und zeigt uns wie man
sogar in den schwersten Lebensphasen im Glauben wachsen kann. Ja, es gibt
tatsächlich einen Unterschied zwischen dem Kranken, der in Jesus
Christus neu geboren ist und dem Kranken, der nicht gläubig ist!
Und wie sieht es in meinem Herzen aus?
Dominique Ardellier
Wenn die Geschichte sich fortsetzt…
15. November 2004. Unsere Lektoratssitzung ist beendet. Wir haben verschiedene
neue Projekte beschlossen, darunter auch die Übersetzung einer Autobiographie,
die, wenn wir den Analysen glauben können, sehr berührend sein
muss. Das Original ist in Deutsch verfasst und trägt den Titel Absturz
Richtung Himmel. Es handelt sich um die Geschichte des jungen Christen
Norbert, der im Alter von 28 Jahren erfährt, dass er Krebs hat. Wir
planen die Herausgabe für Februar 2006.
Die zweite Etappe nach der Entscheidung des Komitees: das Einholen der
Rechte beim Herausgeber des Originals. Ich nehme mit dem CLV Verlag Kontakt
auf und kurz später sind die rechtlichen Fragen geklärt, wofür
wir dankbar sind. Es kann weitergehen.
Verschiedene andere Projekte laufen gleichzeitig und so vergehen einige
Monate bis ich im Sommer 2005 plötzlich im Internet entdecke, dass
Norbert im Juni heimgegangen ist. Wiederum einige Monate später,
als die Fertigstellung des französischen Textes auf Hochtouren läuft
(Korrektur der Übersetzung, Auswahl von Fotos, etc.), nehme ich Kontakt
mit seiner Frau Kerstin auf, drücke mein Mitgefühl aus für
die Not, durch die sie hindurchgehen muss und frage sie, ob sie uns Fotos
für das Buch zusenden könnte. Darüber hinaus erkläre
ich ihr, dass wir ein Nachwort bräuchten, um die französische
Ausgabe zu aktualisieren. Wenn man an der Herausgabe eines Buches arbeitet,
ist es immer wieder eine besondere Erfahrung, mit dessen Autor in Kontakt
zu treten. Wir schreiben uns einige Emails, immer in Deutsch, bis ich
eines Tages ein «P.s.» hinfüge, was ich sonst üblicherweise
nicht tue bei meinen Kontakten mit Autoren: «Wenn Sie mal wieder
in der Schweiz sind, sind Sie herzlich eingeladen; wir würden uns
über einen Besuch freuen!» Das trifft ins Schwarze! Kerstin,
die seit einigen Jahren als Krankenschwester arbeitet, aber ein Übersetzerstudium
angefangen hat, ist gerade auf der Suche nach einer Praktikantenstelle
im französischsprachigen Ausland. Sie informiert sich auf unserer
Homepage und entdeckt, dass wir immer wieder freiwillige Mitarbeiter suchen.
Sie fasst sich ein Herz und schreibt mir erneut, diesmal auf Französisch,
um mich zu fragen, ob sie im Frühjahr dieses Jahres ein Praktikum
bei uns machen könnte.
Und so nimmt das Vorhaben seinen Lauf. Anfang April, kaum ein Monat nach
der Herausgabe des Buches ihres Mannes auf Französisch, kommt Kerstin
nach Romanel um uns zu unterstützen. Nachdem ich einige Wochen lang
am französischen Text dieses sehr berührenden Zeugnisses «gefeilt»
habe, empfinde ich es als ein großes Vorrecht, die Frau von Norbert
kennen zu lernen.
Die zwei Monate, in denen Kerstin bei uns im Lektorat mitgearbeitet hat
und uns eine große Unterstützung war (insbesondere durch Übersetzungen),
waren eine sehr bereichernde Erfahrung und ich werde die wertvollen Momente
der Gemeinschaft und des Austauschs in sehr guter Erinnerung behalten.
Für Kerstin bot sich, abgesehen von der Möglichkeit, ihre Französischkenntnisse
zu verbessern, die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen eines
christlichen Verlages zu werfen, dem Herrn im französischsprachigen
Ausland zu dienen und neue Freundschaften zu knüpfen.
Es ist immer wieder ermutigend zu erleben, wie der Herr unser Leben führt!
Olivia Festal, Lektorat
Aus der Werkstatt des Übersetzers
Der Grundtext der Psalmen
Die neutestamentlichen Texte der NGÜ werden bekanntlich aus dem
Griechischen übersetzt, die Psalmen und das übrige Alte Testament
aus dem Hebräischen. Als Grundtexte liegen uns Übersetzern vor:
Die 27. Auflage des Novum Testamentum Graece (= des griechischen Neuen
Testaments) von Nestle-Aland sowie die Biblia Hebraica Stuttgartensia
(= eine von der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart herausgegebene
Ausgabe der hebräischen Bibel, Erscheinungsjahr 1967/1977; abgekürzt
BHS).
Die BHS ist die wissenschaftliche Ausgabe eines hebräischen Textes
aus dem Mittelalter, dessen Original (etwa aus dem Jahr 1008) sich in
einem Museum von Leningrad befindet und der von daher als Codex Leningradensis
bezeichnet wird. Codex wiederum bedeutet: Es handelt sich nicht um eine
Schriftrolle, sondern um ein gebundenes Buch.
Die hebräischen Bibelhandschriften vor dem Jahr 500 n. Chr., bspw.
die beiden bekannten Jesajarollen aus Qumran, waren in einem Konsonantentext
geschrieben, also ohne Vokale (Selbstlaute) oder nur mit Hinweisen auf
dieselben (Fachausdruck: matres lectionis = ‚Lesemütter’,
d. h. Konsonanten, die auch als Vokale gelesen werden können bzw.
in diesem Fall müssen). Das bekannteste Beispiel für ein nur
mit Konsonanten geschriebenes Wort ist der Name Gottes, JHWH. Die richtige
Aussprache ist mit grosser Wahrscheinlichkeit JAHWEH. Aus Scheu vor Entweihung
sprechen die Juden diesen Namen aber nicht aus; beim Vorlesen geben sie
ihn ersatzweise bspw. mit Adonai (= Herr), mit Elohim (= Gott) oder anderweitig
wieder.
Jüdische Gelehrte und Gelehrtenschulen aus dem Mittelalter (etwa
ab 500 n. Chr.) haben nun versucht, den alten Konsonantentext, der oft
genug mehrere Möglichkeiten der Aussprache und Verstehens zulässt,
zu vereinheitlichen. Bzw. sie haben durch Punkte, Striche und Symbolzeichen
festgelegt, mit welchen Vokalen er zu lesen ist, wo die einzelnen Wörter
zu betonen sind und welche nebeneinander stehenden Wörter zusammenhängend
oder aber getrennt zu lesen sind.
Die bekannteste Schule dieser Masoreten (= Überlieferer oder Bewahrer
des Textes) war in Tiberias in Galiläa, berühmt für die
Zuverlässigkeit ihrer Arbeit wurde der Name der Gelehrtenfamilie
Ben Ascher.
Die BHS nun ist die älteste bekannte Handschrift der vollständigen
hebräischen Bibel aus der Ben-Ascher-Tradition. Und die BHS benützen
wir wie gesagt als Textgrundlage für die Psalmen der NGÜ.
Wolfgang Loy
Aus unserer Korrespondenz
Schweiz
Liebe Freunde der GBG! Liebe Geschwister in Christus! Liebes Team der
NGÜ! Wenn ich auf die Internetseite der NGÜ gehe, tue ich das
mit viel Freude! Ich danke Ihnen sehr für diese wichtige Arbeit!
Die Rubriken der Internetseite sind hervorragend! Was ich auch wunderbar
finde: dass Sie so ein gutes und kompetentes Übersetzerteam haben,
darunter auch eine Frau!! Ich grüße Sie herzlich und wünsche
Ihnen den reichen Segen unseres Herrn für Ihre Arbeit und Ihren Dienst!
Ich hoffe, dass der Herr diese hervorragende Übersetzung überall
in seiner deutschsprachigen Gemeinde gebrauchen wird!
W. K., Bern
Seit einigen Jahren bin ich tief überzeugt vom hohen Wert Ihrer
Arbeit. Täglich «genieße» ich den Segen, der mir
durch die Benützung der Agenda HEUTE zufließt. ... Aus dem
Bibel- Info erfahre ich, dass sie vermehrt daran interessiert sind, das
Spektrum der Interessen Ihrer Leserschaft kennen zu lernen. Aus dem Katalog
meiner Interessen habe ich das Thema «Zeit und Ewigkeit» herausgegriffen.
In den zwei Bibel-Info Herbst und Winter 2005 erschien darüber ein
Artikel mit Fortsetzung, Verfasser J.-C. Nicolet. Es sind sehr interessante
Ausführungen.
J. R., Uetikon am See
Tchad
Wir danken Ihnen und sind sehr glücklich über die Literatursendung,
die Sie uns für den Dienst Jesu zukommen ließen. Ihre Literatur
ist für die Sonntagschule und für die Diener Gottes gut geeignet.
Liebe Mitarbeiter im Werke des Herrn, wie grüßen Sie und danken
Ihnen für Ihre Liebe zu uns im Tschad. Gott segne Sie.
S. G., Doba
Gebetsplan
Paris
Dank: Sandrine Tipaka, Krankenpflegeschülerin von der französischen
Insel Réunion «opfert» einen Monat ihrer Ferien für
die Mitarbeit im HdB. Besserer Umsatz im Juni. Gebetsanliegen: Die Zukunft
unseres Buchladens und das anstehende Gerichtsurteil, das wir für
Mitte September erwarten. – Thomas’ Ausscheiden Ende des Jahres
und seine Arbeitssuche in der Gegend von Poitiers. – Die Suche seines
Nachfolgers. – Ein junger Vater, der von seiner Frau getrennt lebt,
sprach lange mit uns über seine Last, sich von der homosexuellen
Szene angezogen zu fühlen. Dass der Herr ihn befreit und bewahrt.
Bordeaux
Dank: Gott ermutigt uns: wir sind dankbar, zu sehen wie er durch die
Arbeit des HdB wirkt. Im letzten Vierteljahr hatten wir mehrmals Gespräche
mit zwei Personen, beide früher drogenabhängig. Wir beten mit
beiden, eine hat den Weg in eine evangelikale Gemeinde gefunden.
Belfort
Dank: Der gute Zusammenhalt unter den Mitarbeitern, der Wunsch miteinander
zu reden und im Team zu arbeiten. – Gebetsanliegen: Weisheit bei
der Verwaltung des Vereins und finanziellen Fragen. – Erwerb von
Software (für Buchhaltung und Lagerverwaltung). – Unterscheidungsvermögen
und Weisheit im Umgang mit den Kunden und gute Beratung, insbesondere
bei Neukunden. – Schutz und Frequentierung des Ladens. – Umsätze
(niedriger als 2005).
Lyon
Gebetsanliegen: Derzeitige Überlegungen zur Zukunft der Logistik
der Häuser der Bibel in Frankreich. Dass der Herr uns Weisheit gibt,
in welche Richtung wir entscheiden sollen und bei allem, was diese Änderungen
nach sich ziehen werden.
Romanel
Dank: Die MacArthur Studienbibel wird in diesen Tagen erscheinen, nachdem
Lektorat und die Produktionsabteilung sehr hart an der Fertigstellung
gearbeitet haben. – Unser neuer Praktikant Markus, der für
ein Jahr lang bleiben wird und Corina im Bereich der deutschsprachigen
Bestellungen ablöst. – Gebetsanliegen: Auswirkungen der französischen
MacArthur Studienbibel und ihre Einführung am 26. September um 19:30
Uhr in der Cathédrale St-Pierre in Genf in Gegenwart von John MacArthur.
– Die Verteilung von 15 000 französischen und 15 000 italienischen
Miniatur-Bibeln, die in Kürze aus der Druckerei kommen sollen.
Verein der Häuser der Bibel in Frankreich
Wir sind sehr dankbar für die zunehmende Unterstützung von
evangelistischen Projekten und die Hilfe zur Eröffnung neuer christlicher
Buchläden.
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