Buchbesprechung Mark Gabriel ist Ägypter. Er hat
schon als Kind den Koran und
die wichtigsten Hadithen (Erzählungen über das Leben
Mohammeds) auswendig gelernt, hat später einen Magisterabschluss in Geschichte und
Kultur des Islam an der besten
islamischen Universität der Welt,
der Al-Azhar-Universität in Kairo, abgelegt und dort gelehrt.
Mit 28 Jahren war er bereits Vorbeter und
predigte auch in der Moschee. „Innerlich
jedoch war ich immer noch auf der Suche
nach der Wahrheit. … Meine Fragen wurden
nicht durch Handlungsweisen der Muslime
ausgelöst, sondern durch die Taten Mohammeds und seiner Anhänger und durch die
Lehren des Koran.“ Er bezweifelte, dass der
Koran direkt von Allah kommt: „Ich sehe darin die Gedanken eines Menschen, nicht die
Worte eines wahren Gottes.“ Dieser Behauptung wegen wird er unter dem Vorwurf der
Blasphemie von der Universität ausgeschlossen, ins Gefängnis geworfen und mehrere
Tage durch die Geheimpolizei gefoltert. Nur
durch ein Wunder kommt er mit dem Leben
davon.
Von da an geht er nicht mehr in die Moschee,
er betet den wahren Gott zuhause an, denjenigen, der ihn im Gefängnis am Leben erhalten
hat. Mit 35 Jahren bekommt er eine arabische
Bibel in die Hand und entdeckt Jesus: „Ich hatte
den allmächtigen Gott des Himmels gefunden,
nach dem ich gesucht hatte. … Ich gab mein
Leben in seine Hände.“ Eines Tages bekennt er
seinem Vater, dass er Christ geworden ist. „Sofort
zog er seine Pistole … und richtete sie auf mich.
… Er hatte fünfmal auf mich abgedrückt. Wenige Tage später hatte ich mein Zuhause und
Ägypten für immer verlassen.“
Wie kann man die Wahrheit erkennen?
Das Prinzip von Mark Gabriel: man kann die
Wahrheit nicht erkennen, indem man das Leben der Muslime und der Christen betrachtet.
Man muss die Originalquellen befragen: einerseits den Koran, die Hadithen und die islamische Geschichte im arabischen Original, andererseits die Bibel: „Ich las einfach selbst, was
sie sagt.“ Und dann muss man vergleichen.
Da nur wenige dazu im Stande sind, hat Mark
Gabriel dies gründlich erledigt. Sein Buch
gibt uns ein Werkzeug in die Hand, um Islam
und Christentum verstehen und vergleichen
zu können. Dazu stellt er die Gründer einander gegenüber, Jesus und Mohammed,
und er betrachtet ihre Gemeinsamkeiten
und Unterschiede. So stellt er ihre jeweiligen
Lehren und Auffassungen zu verschiedenen
Themen dar, wie z.B. Liebe, Vergebung, Gebet, Fasten, Wunder, Haltung gegenüber
Frauen oder Haltung den Feinden gegenüber,
Rache und Heiliger Krieg. „Als ich ihr Leben
nebeneinander betrachtete, musste ich
erkennen, dass die grundlegenden Unterschiede zwischen ihnen viel schwerer wiegen
als oberflächliche Ähnlichkeiten.“
Ein einfaches, genaues und sehr nützliches Handbuch
Dieses Buch richtet sich sowohl an Christen als
auch an Muslime, aber auch an Menschen,
die auf der Suche oder noch unentschlossen
sind. Sehr gut fand ich die ausgezeichneten
Definitionen der Ausdrücke, die im Islam benutzt werden, die spannenden Erklärungen,
wie Mohammed den Koran verfasst hat und
wie sein wahres Leben durch die Erzählungen
der Hadithen aufgedeckt wird. So wird der
Vergleich mit Jesus Christus anhand der Evangelien leicht gemacht.
Besonders gefallen mir die vollständigen Zitate der Suren mit Stellenangaben, denen
die jeweils entsprechenden Bibelstellen zu
jedem behandelten Themengebiet gegenübergestellt werden. Das gibt dem Leser ein
sehr brauchbares Werkzeug für fundierte
Gespräche und Diskussionen mit Muslimen
in die Hand, denn die Argumente basieren
auf ihren eigenen Texten. Einige Beispiele:
Mohammed bestätigt im Koran: „Ich bin
nur ein Mensch wie ihr“ (Sure 18,110), „ein
Sklave Allahs“ (Sure 2,23). Er sagte: „Obwohl
ich Allahs Gesandter bin, weiß ich genauso
wenig, was mit mir geschehen wird, wie du.“
(zitiert nach dem berühmten islamischen
Historiker Boukhari) Hingegen sagt Gott von
Jesus: „Du bist mein geliebter Sohn!“ (Mk.
1,11). Und Jesus sagt selbst: „Niemand hat
Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der
im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluss
über ihn gegeben“ (Joh. 1,18). Weiter heißt
es: „Jesus nun, der alles wusste, was über ihn
kommen sollte…“(Joh. 18,4; vgl. Mt. 16,21).
Mohammed bestätigt: „Gott leitet diejenigen, die er (nun einmal) irreführt, nicht recht.
Und sie haben (dereinst) keine Helfer“ (Sure
16,37). Jesus hingegen ist gekommen um sein
Leben für uns hinzugeben (Gal. 1,4). Und er
sagt: „(Der Höchste) ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen“ (Lk. 6,35).
Dominique Ardellier
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