Ende 2007 hatte ich die Möglichkeit,
eine Reise in die Demokratische Republik
Kongo (Brazzaville) und nach Kamerun
zu unternehmen. Das Ziel war, zu prüfen
wie die Gideons-NTs verteilt werden und
welche Möglichkeiten für den Import
von Literatur vom Osten und Süden des
Landes bestehen.
Große Not
Nach der Ankunft im feuchten Klima von
Kinshasa bin ich am 4. Dezember mit
Florentin Azia1 nach Goma geflogen, wo
wir von Freunden erwartet wurden. Die
Bevölkerung in diesem Teil des Kongo, im
Osten des Landes, ist von mehreren Katastrophen dezimiert worden, besonders
durch den Ausbruch des Vulkans oberhalb der Stadt vor einigen Jahren; außerdem durch den Krieg, der in dieser gesamten Region von 1994 bis 2003 gewütet
hat und fast 5,3 Millionen Tote forderte.
Dieser Krieg war die größte menschliche Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg; dennoch war in den Medien nur
wenig davon die Rede! Wir haben erfahren, dass sich auch heute noch zahlreiche Christen in den Wäldern versteckt
halten. Sie werden von den Rebellen
verfolgt, die bereits ihre Wohnungen geplündert haben. Die Gläubigen haben
praktisch nichts, wovon sie leben können. Und die Pastoren, die noch nicht
mal eine Bibel besitzen, sind froh, wenn
sie Bibelverse abschreiben können, die
sie auf Traktaten finden…
Wir hatten die Möglichkeit zu einem
Besuch im Gefängnis, das mit mehreren hundert Gefangenen besetzt ist.
Der größte Teil von ihnen ist bereits seit
Monaten inhaftiert, manche sogar seit
Jahren, und sie warten noch immer auf
ihre Gerichtsverhandlung. Viele sind auf
Grund falscher Anschuldigungen verhaftet worden. Wir konnten ihnen das
Evangelium verkünden, und wir haben
ihnen auch christliche Bücher sowie
Lebensmittel da lassen können. Diese
Häftlinge sind abhängig von ihren Verwandten oder von Besuchern, um etwas Essbares zu bekommen. Mit Freude
hörten wir, dass Christen sie regelmäßig
besuchen. Sie bringen ihnen Trostworte
und bieten den Emmaus-Bibelkurs an.
Übrigens haben einige der Gefangenen ihr „Abschlusszeugnis“ erhalten,
während wir da waren.
Interesse am Wort
Wir waren sehr ermutigt, dass wir bei
vielen ein Interesse für das Wort Gottes
feststellen konnten. Der Glaube und der
Eifer von mehreren Gläubigen, die im
Dienst des Evangeliums stehen, haben
uns beeindruckt. Und tatsächlich haben
wir eine offene Tür für den Import von
Containern mit den Neuen Testamenten des Gideonbundes und christlicher
Literatur aus Tansania gefunden. Die Bevölkerung braucht es so dringend!
Nach der Rückkehr nach Kinshasa (zwei
Flugstunden) sind wir am nächsten Tag in
den Süden des Landes geflogen, nach
Lubumbashi. Auch hier war wieder zu
spüren, dass die gute Hand Gottes über
uns war. Der Besuch in verschiedenen
Depots für Gideon-NTs (diese werden
z.T. in Privathäuser gelagert) brachte uns
dazu, eine Zentralisierung der Lager ins
Auge zu fassen, um die Bestände besser
verwalten zu können. Eine Missionsstation
wird nun die Frage klären, ob eine regelmäßige Lagerung im größeren Maßstab
auf ihrem Grundstück möglich ist; dort ist
bereits ein kleiner Container zwischen-
gelagert. Auch an diesem Ort könnten
wir den Import aus Tansania fortführen.
In dieser Stadt konnten wir ebenfalls wie
in Goma mit einer Gruppe von jungen
Leuten ein Gefängnis besuchen. Mehrere
hundert Häftlinge haben so noch einmal
das Evangelium gehört. Sie haben auch
christliche Literatur bekommen sowie,
was unbedingt nötig ist, Nahrung für den
Körper (Maniok und ein paar Bohnen!).
Wegen einer Flugzeugpanne mussten
wir eine weitere Nacht dort verbringen und dann
noch den ganzen Morgen warten, um mit einer
anderen Fluggesellschaft nach Kinshasa zurück zu
kommen, die uns auch beinahe nicht mitgenommen hätte. (Eine gute Gelegenheit, sich in Geduld
zu üben…) Einige Tage später haben wir den Fluss
mit einem kleinen Boot mit Außenbordmotor überquert, um ein paar Kisten mit Literatur nach Brazzaville zu bringen. Wieder einmal sind wir sehr gut aufgenommen worden von Geschwistern, die sich für
den Glauben und die Verbreitung des Evangeliums
einsetzen. Wir konnten sie mit dem Wort Gottes ermutigen, und wir entdeckten auch hier eine offene
Tür für den Import und die Verbreitung von Neuen
Testamenten.
Meine Reise endete mit einem verlängerten Wochenende in Douala, wo die Gläubigen sehr aufnahmebereit für die Unterweisung im Wort Gottes
waren. In diese Stadt hatten wir im September
mehr als 100.000 Bibeln und christliche Literatur geschickt.
Ich war sehr ermutigt davon, wie Männer und
Frauen sich aufmachen um das Evangelium zu
verkünden und sich in den Dienst des Herrn zu
stellen, auch ohne den Anstoß einer westlichen
Mission. Lasst uns beten, dass all diese Bücher
und vor allem die Bibeln, die wir in dieses Land
geschickt haben, Früchte in der Ewigkeit hervorbringen zur Ehre unseres Herrn.
Stefan Waldmann
1 Vorsitzender unserer Vereinigung Bibel für alle,
deren Ziel es ist, die Bibel und christliche Litera-
tur zu vertreiben sowie Neue Testamente des
Gideonbundes zu importieren und zu verbrei-
ten.
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